Mutige Mädchen, die mit Sport der Armut entkommen

Mutige Mädchen, die mit Sport der Armut entkommen

Sport kann das Leben von Kindern in Armut verändern. Lerne vier Mädchen kennen, die mit Rollschuhlaufen, Fechten, Gewichtheben und Kajakfahren ihren Weg in eine bessere Zukunft finden.

In den Compassion-Zentren hilft Sport den Mädchen, der Armut zu entkommen

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Kichern und Rufe hallen über den Betonboden, während Abigail in ihrer neongelben Sicherheitsweste vorbeisaust. Sonntags versammelt sich die Gemeinschaft in diesem Raum zum Gottesdienst. Heute hat sich die Kirchenhalle im abgelegenen Kimanjo in Kenia in eine Indoor-Rollschuhbahn verwandelt.

Ein Dutzend Kinder rollen mit bunten Rollschuhen über den Boden. Draussen gehen die staubigen Schotterstrassen irgendwann in felsige Hügel über. Bevor die lokale Partnerkirche von Compassion das Rollschuhprogramm in der Maasai-Gemeinschaft startete, war es wahrscheinlicher, einen wilden Elefanten zu sehen als ein Kind auf Rollschuhen. Die Familien kannten diesen Sport nur aus dem Fernsehen.

„Wir wollten den Kindern zeigen, dass ihre Möglichkeiten grösser sind als das, was sie jeden Tag um sich herum sehen“, erklärt eine Mitarbeiterin des Compassion-Zentrums.

Abigail träumt davon, später als Rollschuhtrainerin für Kinder zu arbeiten. „Rollschuhlaufen ist nicht einfach“, sagt sie. „Aber mit Übung wird man immer besser.“

Für sie geht es nicht darum, die Beste zu sein. Abigail und Millionen anderer Kinder möchten einfach die Chance haben, mitzumachen.

Wenn Armut Kinder auf die Zuschauerbank zwingt

Sport stärkt nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstvertrauen, soziale Fähigkeiten und den Teamgeist. Doch was passiert, wenn Familien sich Sport schlicht nicht leisten können?

Viele Familien, die in Armut leben, kämpfen bereits darum, ihre Grundbedürfnisse zu decken und können sich Freizeitangebote oder Sportvereine schlicht nicht leisten. Trainingsgebühren, Ausrüstung und Sportkleidung werden schnell zum Luxus, wenn das tägliche Überleben im Vordergrund steht. Für Kinder in abgelegenen Regionen fehlen zudem häufig passende Angebote und Fördermöglichkeiten.

Mädchen stehen dabei oft vor zusätzlichen Herausforderungen. Es ist schwer, etwas zu werden, das man nie sieht. Die Vorstellung, dass „Sport etwas für Jungen“ sei, ist in vielen Kulturen noch immer tief verankert. Erwartungen der Familie, mangelndes Selbstvertrauen und körperliche Veränderungen halten viele Mädchen zusätzlich davon ab, Sport zu treiben.

“Not bringt manche Menschen dazu, zu zerbrechen – andere dazu, Rekorde zu brechen."

Drei weitere Mädchen, die Grenzen überwinden – und die Kirchen, die sie anfeuern

Compassion setzt sich dafür ein, dass Kinder ihr von Gott geschenktes Potenzial entfalten können. Deshalb gehört die Förderung ihrer körperlichen Gesundheit und Entwicklung zu den wichtigsten Zielen. Von abgelegenen Dörfern in Kenia über Grossstädte in Asien bis tief in den Amazonas: Auf der ganzen Welt schaffen lokale Partnerkirchen durch sportliche Angebote Möglichkeiten, damit Kinder ihre Talente entdecken und ihre Träume verfolgen können.

Neben Abigail aus Kenia lernst du auch die Kajakfahrerin Rafaella, die Fechterin Elsya und die Gewichtheberin Nicole kennen. Alle vier verbindet nicht nur ihre Leidenschaft für den Sport, sondern auch die Unterstützung durch eine lokale Partnerkirche von Compassion.

Diese Mädchen üben Sportarten aus, die normalerweise von Männern dominiert werden – und zeigen damit einer neuen Generation von Mädchen, dass mit Mut, Durchhaltevermögen und harter Arbeit alles möglich ist, wenn man die Chance erhält.

Bei Compassion hilft Sport Mädchen, der Armut zu entkommen

Rafaella paddelt ihrem Traum entgegen

Die meisten 11-Jährigen sehen tosende Stromschnellen und reissende Wasserstrudel und wollen nicht unbedingt hindurchpaddeln. Rafaella aber war schon immer abenteuerlustig. Als ihre Familie in das Amazonasgebiet in Ecuador zog, sagte sie zu ihrem Vater Santiago: „Ich möchte Kajakfahren lernen.“ 

Er begleitete sie zu einem Anfängerkurs, an dem fast nur Männer teilnahmen. „Ich war sehr nervös“, erzählt sie. „Doch an diesem Tag merkte ich, dass mich nichts von den anderen unterschied. Ich hatte dieselbe Freude und denselben Wunsch, etwas Neues zu lernen.“

Schon bald zeigte sich ihr Talent auf dem Wasser. Doch die finanzielle Situation ihrer Familie machte es schwierig, die nötige Ausrüstung zu bezahlen. „Ich konnte nur auf Gott vertrauen und hoffen, dass Er hilft und Raffaellas Traum erfüllt“, sagt ihr Vater Santiago. Jedes Wochenende brachte er Rafaella zum Training an den Fluss – und Gott begann, Türen zu öffnen.

“Freunde aus dem Kajakkurs schenkten mir ihre Ausrüstung. Ich bekam einen Helm, und ein Freund meines Vaters schenkte mir ein Paddel”, erzählt sie. Stück für Stück setzte sich Raffaellas komplette Ausrüstung zusammen und sie konnte ihren Traum weiterverfolgen.

Auch das Kinderzentrum, das sie besucht, unterstützte sie mit nahrhaften Mahlzeiten und organisierte den Transport zu Wettkämpfen. Mit diesem Rückhalt wurde Rafaella 2023 nationale Kajakmeisterin von Ecuador.

Doch für sie geht es beim Kajakfahren um mehr als Medaillen – Rafaella möchte anderen Mut machen und zeigen, was möglich ist.

Elsya fechtet sich ihren Weg in die Zukunft

Elsya war elf Jahre alt, als sie zum ersten Mal ein Florett in die Hand nahm. Durch ihre Mutter Mega kam sie auf den Fechtsport. Fünf Jahre später erreichte die heute 16-Jährige bereits den dritten Platz bei einem regionalen Wettkampf.

Fechten ist in Indonesien kaum verbreitet. „Ich kenne eigentlich keine berühmten indonesischen Fechterinnen“, sagt Elsya lachend. Zudem müssen viele Sportlerinnen und Sportler die Kosten selbst tragen. Für ihre fünfköpfige Familie ist das schwierig, denn ihre alleinerziehende Mutter verdient den Lebensunterhalt mit einem kleinen Imbissladen an der Strasse.

Zum Glück leiht ihr Trainer ihr die notwendige Ausrüstung. Als das Kinderzentrum ihre Leidenschaft erkannte, übernahm es ausserdem Trainingsgebühren und Schutzkleidung. 

„Wenn wir das Talent eines Kindes entdecken, versuchen wir, es bestmöglich zu fördern“, erklärt Zentrumsleiterin Ruth.

Elsya träumt davon, Ärztin oder Apothekerin zu werden – Berufe, die ein teures Studium erfordern. Der Sport könnte ihr helfen, diese Kosten später zu tragen. Bereits heute erhält sie ein Vollstipendium für das Gymnasium und hofft später auf ein Sportstipendium für die Universität.

„Fechten lehrt mich Konzentration und Disziplin“, sagt sie. „Ich lerne, wann ich dem Gegner ausweichen und wann ich angreifen muss. Das hilft mir auch in der Schule und im Alltag.“

Bei Compassion hilft Sport Mädchen, der Armut zu entkommen

Nicole überwindet Grenzen

Auch Nicole aus El Salvador kennt die Bedeutung von Disziplin. Während Elsya leichtfüssig ausweicht und angreift, stemmt Nicole Gewichte über ihre Schultern, die schwerer sind als sie selbst.

Die 18-Jährige lebt im heissen Santa Rosa de Lima in El Salvador. Gewichtheben gilt dort traditionell als Männersport. Doch Nicole liess sich davon nicht abschrecken. „Meine Cousine und ich waren die einzigen Mädchen im Training“, erzählt sie.

Anfangs machten ihr die Kommentare aus ihrem Umfeld zu schaffen. Selbst ihre Mutter hatte Angst um sie: „Das ist ein Sport für Männer, nicht für Mädchen.“„Sie wollte mich nur beschützen“, sagt Nicole. „Viele unterschätzen, was Frauen körperlich leisten können.“

In den vergangenen Jahren hat Nicole nicht nur körperliche, sondern auch mentale Grenzen überwunden. Heute nimmt sie erfolgreich an Wettkämpfen teil. Besonders die Mitarbeitenden ihres Kinderzentrums ermutigen sie immer wieder.

„Wenn ich traurig oder entmutigt war, fanden sie immer aufmunternde Worte“, erzählt sie. „Sie sagten mir: ‚Gib nicht auf. Es gibt gute und schlechte Trainingstage – wichtig ist, weiterzumachen.‘“

Als Nicole begann, an Wettkämpfen teilzunehmen, konnte ihre Familie die Reisekosten nicht bezahlen. Das Zentrum übernahm nicht nur diese Ausgaben, sondern organisierte auch Ernährungsberatung für sie. Armut nimmt Kindern oft den Zugang zu gesunder Ernährung und medizinischer Versorgung. Dank einer angepassten Ernährung, Vitaminen und einem professionellen Trainer konnte Nicole ihre Leistungen deutlich verbessern.

Heute träumt sie davon, Chemie zu studieren und später als Wissenschaftlerin zu arbeiten. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe“, sagt sie. „Und ich hoffe, dass ich für andere Mädchen ein Beispiel sein kann, dass auch sie ihre Träume verfolgen können.“

Abigail, Rafaella, Elsya und Nicole zeigen eindrücklich: Wenn Kinder die Chance bekommen, ihre Talente zu entfalten, und Menschen an sie glauben, können sie nicht nur ihr eigenes Leben verändern – sondern auch das vieler anderer.

Chancen schenken und Talente fördern

Jedes Kind trägt einzigartige Talente und grosses Potenzial in sich. Doch extreme Armut raubt vielen Kindern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu entdecken und ihre Träume zu verfolgen. Mit einer Kinderpatenschaft schenkst du Zugang zu Bildung, Förderung und einem liebevollen Umfeld, das Hoffnung weckt und neue Zukunftsperspektiven eröffnet.