Zehn Jahre später: Das erste Treffen mit meinem Patenkind

Zehn Jahre später: Das erste Treffen mit meinem Patenkind

Stell dir vor, du triffst nach zehn Jahren dein Patenkind: die Freude, die Aufregung, vielleicht ein bisschen Nervosität. Mandy Muckett nimmt uns mit ihrem Bericht mit auf ihre Reise, als sie ihre Patenkinder in Kenia besucht. Dabei erzählt sie besonders von ihrem Patenkind Edna und davon, wie ihre Geschichte anders verläuft als erwartet.

Inhalt

Ein besonderer Geburtstagswunsch

Geburtstag! Sechzig? Wie kann ich schon sechzig sein? Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in meinen Zwanzigern ausgerechnet habe, in welchem Jahr ich 60 werde – und 2025 klang damals wie aus einem Science-Fiction-Film. Aber das Älterwerden gehört zum Leben dazu. Mein Ehemann Keith fragte mich, was ich mir zu diesem besonderen Geburtstag wünsche. Und ich wusste sofort: Ich möchte nach Kenia reisen, um unsere beiden Patenkinder Faith und Edna zu besuchen, die wir seit zehn Jahren unterstützen.

Zwei kleine Mädchen – und eine grosse Hoffnung

Kinder durch Patenschaften „im Namen Jesu aus Armut zu befreien“ – das begleitet uns schon seit Jahrzehnten. An einer Sommerkonferenz hörten wir zum ersten Mal von der Arbeit von Compassion und waren von Anfang an begeistert.

Später begann ich in Basel für Rahab zu arbeiten, ein Projekt für Prostituierte im Rotlichtviertel. Dort wurde ich stark mit Menschenhandel konfrontiert. In dieser Zeit entschieden wir uns, zwei fünfjährige Mädchen in Mombasa zu unterstützen – einem Ort, der als Hotspot für Sextourismus gilt. Unsere grosse Hoffnung war, sie vor der Armut zu schützen, die viele Frauen in solche Situationen zwingt.

Zehn Jahre später: Die grosse Reise nach Kenia

Zehn Jahre später war es endlich so weit. Wir reisten nach Kenia, um unsere Patenkinder zu treffen, zu denen wir über viele Briefe eine Beziehung aufgebaut hatten. Aus den kleinen Mädchen waren beeindruckende junge Frauen geworden. Im Folgenden erzähle ich insbesondere von der Begegnung mit Edna. Eigentlich dachte ich, diese Geschichte würde davon erzählen, wie die Patenschaft sie vor Ausbeutung bewahrt hat. Doch stattdessen erinnerte sie mich an eine moderne Version der Geschichte von Ruth.

Einige Monate vor unserer Reise erfuhren wir, dass unser Patenkind Edna nach Nairobi, der Hauptstadt Kenias, gezogen war. Ihr Vater war plötzlich gestorben – er war der Ernährer der Familie gewesen. Dann erhielten wir nächste Nachricht: Edna wohnt nun in einem Internat. Wir waren schockiert und machten uns Sorgen. Kurz darauf schrieb Edna, dass ihre Mutter Miriam nach Saudi-Arabien gegangen war, um dort zu arbeiten. Compassion versicherte uns, dass das Internat eine gute Einrichtung sei – doch unser Herz schmerzte bei dem Gedanken an die Trennung von ihrer Mutter.

Das Leben ist für uns alle manchmal schwierig – doch Armut verschärft jede Herausforderung. Genau deshalb ist die Arbeit von Compassion und die Unterstützung von Kindern, die in Armut leben, so wertvoll. "

Wunderschön und bewegend: Das Treffen mit unserem Patenkind

Schliesslich war der langersehnte Tag da. Wir trafen Edna an einem sonnigen Tag in einem Tierpark in Nairobi. Auch ihre Tante war dabei, was sehr schön war. Es war ein wunderschönes, bewegendes Treffen. Es war überwältigend, unser Patenkind zum ersten Mal persönlich zu treffen. Anfangs war sie noch etwas schüchtern, doch schon bald blühte die junge Frau vor uns auf und die Zurückhaltung wich einem fröhlichen Lachen. Wir sprachen über die Briefe, die wir uns geschrieben hatten und tauschten Geschenke aus. Sie schenkte uns traditionelle Massai-Umhänge, mir eine schöne Handtasche und Keith einen Ältestenstab – ein Symbol für Weisheit und Autorität. Gemeinsam erkundeten wir den Park, und bei ihrer allerersten Fahrt in einem Autoscooter jagte sie bald Keith über die Bahn. 

Beim Mittagessen erfuhren wir mehr über ihre Situation: Nach dem Tod ihres Vaters ging das Eigentum traditionell an seine Verwandten – nicht an seine Frau. Edna und ihre Mutter wurden aus ihrem Zuhause vertrieben und waren plötzlich obdachlos. Wie in der biblischen Geschichte von Naomi hatten Edna und ihre Mutter keine Wahl und mussten zu ihrer verbliebenen Familie nach Nairobi zurückkehren. Viel zu schnell ging dieser besondere Tag zu Ende – auch mit Abschiedstränen, aber vor allem mit wunderbaren Erinnerungen.

Hoffnung, die stärker ist als Armut

Das Leben ist für uns alle manchmal schwierig, doch Armut verschärft jede Herausforderung. Genau deshalb ist die Arbeit von Compassion und die Unterstützung von Kindern, die in Armut leben, so wertvoll.

Ich freue mich sehr, berichten zu können, dass Edna inzwischen 16 Jahre alt ist und es ihr sehr gut geht. Sie besucht weiterhin das Internat und lernt fleissig. Im neuen Kinderzentrum in Nairobi wird sie beim Übergang ins Erwachsenenleben unterstützt. Das Arbeitsheft „Mein Plan für morgen“ hilft ihr, berufliche Ziele zu entwickeln und einen konkreten Plan zu erstellen – vielleicht sogar für die Gründung eines eigenen kleinen Unternehmens. Wir konnten auch während eines WhatsApp-Videoanrufs mit ihrer Mutter Miriam in Saudi-Arabien sprechen. Sie arbeitet inzwischen als Haushaltshilfe bei einer liebevollen Familie und ist in Sicherheit.

Mandy Muckett stammt ursprünglich aus Grossbritannien und lebt seit über 20 Jahren mit ihrem Mann Keith in Basel. Sie ist Autorin und engagiert sich als Botschafterin mit grosser Leidenschaft für Compassion.

In ihrem neuesten Buch „Grundrenoviert“ ermutigt sie Menschen, ihre eigenen Versuche der Selbstverbesserung loszulassen und Jesus die Veränderung ihres Lebens zu überlassen. Darin berichtet sie auch von ihrer ersten Reise nach Kenia und der Begegnung mit ihren ersten Patenkindern – zwei Jungen.

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