Haiti: Hoffnung inmitten der Gewalt
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Haiti: Hoffnung inmitten der Gewalt

Haiti : Ein Junge in T-Shirt und Jeans sitzt auf einem Steinhaufen.

Die Kinder in Port-au-Prince schlafen beim Lärm von Schüssen ein. Als sie aufwachen, erfahren sie, dass die Schulen geschlossen wurden, und sie versuchen, den Schmerz des Hungers zu ignorieren. Die Krise und die überbordende Gewalt bestimmen den Alltag.

Überblick

Was geschieht in Haiti?

Zurzeit kämpfen fast 100 Banden um das Gebiet von Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti. Gemäss den Vereinten Nationen üben die Banden die Kontrolle über 80 % der Bevölkerung aus. Tägliche Plünderungen, Gewalt, Entführungen, Strassensperren und Morde haben die Stadt lahmgelegt. Als direkte Folge wurden zahlreiche Flughäfen, Häfen und Krankenhäuser geschlossen.

Die Banden verfügen über ein grosses Arsenal illegaler Waffen, und die Zahl ihrer Mitglieder ist viel höher als die Anzahl der Polizeikräfte im Land. Im Vergleich zur Bevölkerung von 11 Millionen Menschen hat das Land nur 9‘000 Polizeibeamte im aktiven Dienst. Im März 2024 zwangen die gewalttätigen Banden den Premierminister Ariel Henry zum Rücktritt. Die beiden grössten Gefängnisse Haitis wurden gestürmt, 4‘000 Häftlingen sind entflohen.

Viele Menschen in der Hauptstadt fühlen sich zu Hause wie Gefangene. Um sich und ihre Familien zu schützen, bleiben sie im Haus und trauen sich nicht mehr hinaus. Andere sind Hals über Kopf aus ihren Häusern geflohen. Fast 200’000 Menschen, die Hälfte davon Kinder, sind nun Binnenvertriebene. Die Kinderzentren von Compassion in anderen Regionen des Landes nehmen Familien auf, die es geschafft haben, die Hauptstadt zu verlassen.

„Viele Menschen, die in Hochrisikogebieten leben, werden gezwungen, ihr Zuhause aufzugeben. Sich in der Hauptstadt zu bewegen, ist zurzeit sehr gefährlich. Treibstoff ist schwer zu bekommen. Daher verbringen wir die meiste Zeit möglichst im Inneren des Hauses“, sagt Jonathan, ein Mitarbeiter von Compassion Haiti.

Haiti : Ein Mädchen mit geflochtenem Haar mit blauen Schleifen schaut zur Seite.

Was hat zu der gegenwärtigen Krise in Haiti geführt?

Jahrzehntelange politische Instabilität, extreme Armut, gescheiterte internationale Interventionen und Umweltkatastrophen haben Bedingungen geschaffen, die das Wachstum von kriminellen Banden begünstigen. Heute gibt es im Land schätzungsweise 200 bewaffnete Banden, von denen die Hälfte in Port-au-Prince operiert.

Die aktuelle Krise entwickelte sich seit der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse im Jahr 2021. Sein Tod hinterliess ein Machtvakuum, das die lokalen Banden schnell füllten. Premierminister Ariel Henry übernahm daraufhin die Regierung.

Die Präsidentschaftswahlen wurden abgesagt, worauf gewaltsame Proteste folgten. Ariel Henry etablierte seine Machtposition, versprach aber, dass er zurücktreten werde, sobald ein Übergangsrat eingesetzt sei, der einen Übergangs-Premierminister gewählt habe.

Diese Ankündigung hat jedoch kaum dazu beigetragen, die Aktivitäten der Banden einzudämmen. Diese haben nach und nach die Kontrolle über die Hauptstadt und die wichtigsten Verkehrs- und Transportachsen übernommen.

Ausserdem drohen die Banden nach wie vor damit, sich jeder internationalen Intervention im Land zu widersetzen, einschliesslich der von den Vereinten Nationen unterstützten Bemühungen der kenianischen Blauhelme, die die nationale Polizei unterstützen sollten. Die Bandengewalt ist eskaliert und hat das Land überschwemmt.

Haiti : Ein junges Mädchen in einem roten Kleid schaut in die Kamera. Sie hat Perlen in ihrem geflochtenen Haar.

„Die Partnerkirchen tun weiterhin alles, was sie können, um den Kindern in ihren Gemeinden zu dienen und sie zu schützen. Unsere oberste Priorität bleibt die Sicherheit der Kinder und der Mitarbeitenden.“

Was bedeutet die Krise für die Kinder in Haiti?

Kinder hungern

Die katastrophale Situation erstickt die Wirtschaft des Landes, treibt die Arbeitslosigkeit in die Höhe und führt zur schlimmsten Nahrungsmittelkrise in der Geschichte des Landes. Fast die Hälfte der Bevölkerung leidet an Hunger, und nur 11 % der Kinder haben derzeit genug zu essen.

In den von Banden kontrollierten städtischen Gebieten essen die meisten Menschen nur eine Mahlzeit am Tag. Im Bezirk Artibonite ausserhalb der Hauptstadt, wo Nahrungsmittel für das ganze Land produziert werden, nimmt die Bandengewalt ebenfalls zu und stört die Produktion.

Kontrollpunkte und Strassensperren, die von Banden errichtet werden, verhindern, dass Lebensmittel in die Haushalte gelangen. „Die meisten Lebensmittel, die wir in Haiti konsumieren, werden importiert“, erklärt Jonathan, der Mitarbeiter von Compassion Haiti. „Flugzeuge landen normalerweise in der Hauptstadt, und auch die Handelsschiffe legen hier an. Wegen der Strassensperren ist es jedoch schwierig, Lebensmittel mit Lastwagen in den Süden des Landes zu liefern.“

Die Inflation ist auf fast 50 % gestiegen, und die Preise für die noch verfügbaren Lebensmittel schnellen weiter in die Höhe. Abbel Joseph, einer der Leiter von Compassion Haiti, sagt:  „Selbst wenn die Familien Ersparnisse hatten, sind diese nun alle für den Kauf von Lebensmitteln aufgebraucht.“

Die Gesundheit der Kinder ist gefährdet

Fast die Hälfte der rund 50 Spitäler in Port-au-Prince befinden sich in Gebieten, die von Banden kontrolliert oder beeinflusst werden. Das medizinische Personal und die Patienten sind daher ständiger Gefahr ausgesetzt, und viele Gesundheitseinrichtungen haben aus Sicherheitsgründen ihre Türen geschlossen.

Der eingeschränkte Zugang zu Gesundheitsdiensten, sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen stellt eine ernsthafte Bedrohung für unterernährte Kinder dar. Ihre Körper haben nicht mehr die Kraft, gegen Bakterien und Krankheiten anzukämpfen. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass aufgrund der Nahrungsmittelknappheit mindestens 115‘000 Kinder an lebensbedrohlicher Unterernährung leiden werden.

Kinder gehen nicht zur Schule und werden bedroht

Seit der Eskalation der Gewalt haben viele Schulen geschlossen, um die Kinder zu schützen. Laut UNICEF haben die Kinder seit Januar 2023 durchschnittlich 1,5 Schultage pro Woche verloren.

Die Banden plündern auch Schulmaterial und stehlen Schreibtische, Laptops, Solarpaneele und Lebensmittel, die für Schulmahlzeiten vorgesehen waren. All dies beraubt Tausende von Kindern ihres Grundrechts auf Bildung.

Nach Angaben von UNICEF wurden 2023 Hunderte von Kindern durch Schüsse getroffen oder verletzt, und auch die sexuelle Gewalt nimmt zu. Darüber hinaus sind Kinder, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, anfälliger für Missbrauch und Ausbeutung. Auch Entführungen und Lösegeldforderungen haben stark zugenommen.

Kinder brauchen die Unterstützung der lokalen Kirche mehr denn je

Compassion setzt sich intensiv für den Schutz von Kindern ein. Die Tatsache, dass wir mit der örtlichen Kirche zusammenarbeiten, hilft uns dabei sehr, denn dadurch können wir sicherstellen, dass Menschen vor Ort dafür sorgen, dass jedes Kind im Patenschaftsprogramm persönlich bekannt ist, geliebt wird und dass auf es achtgegeben wird. Auch wenn die Vorgehensweisen der Kinderzentren individuell angepasst werden, setzen sich unser Team und unsere Partnerkirchen vor Ort dafür ein, um die Kinder und ihre Familien zu unterstützen, die von der aktuellen Gewalt betroffen sind. „Die Partnerkirchen tun weiterhin alles, was sie können, um den Kindern in ihren Gemeinden zu dienen und sie zu schützen“, sagt Jonathan. „Unsere oberste Priorität bleibt Sicherheit der Kinder und der Mitarbeitenden.“

Haïti : Ein Mädchen trägt ein gemustertes Kleid. Sie trägt Zöpfe mit weissen Perlen.

Gemeinsam tragen wir zur Bewältigung der Krise in Haiti bei

Inmitten der Herausforderungen in Haiti bleibt die Unterstützung der Ortskirche konstant. Die Partnerkirchen von Compassion standen den Familien während der Erdbeben, den Hurrikans und der Pandemie zur Seite und sie tun es auch jetzt während der aktuellen politischen Unruhen. „Compassion arbeitet seit 1968 in Haiti, das müssen wir uns vor Augen halten“, sagt Jonathan. „Die Partnerkirchen von Compassion waren vor dieser Krise da, und sie werden auch während der Krise und nach ihrem Ende da sein.“

Das Landesbüro von Compassion Haiti bleibt ebenfalls voll im Einsatz, um die Kinderzentren zu unterstützen, die in dieser instabilen Zeit zusätzlich gefährdet sind. Um Kinder, Familien, Mitarbeitende und Freiwillige zu schützen, mussten einige Partnerkirchen in Regionen, in denen die Bandengewalt sehr präsent ist, ihre Aktivitäten zeitweise unterbrechen. Die Kinder erhalten jedoch weiterhin Unterstützung, die durch den persönlichen Kontakt mit ihnen gewährleistet wird.

„Während so viele Menschen ums Überleben kämpfen, teilen die von Compassion unterstützten Familien das, was sie erhalten, oft mit ihren Mitmenschen“

Die geleistete Hilfe

Bisher wurden Lebensmittelvorräte, Pflege- und medizinische Produkte, Geldüberweisungen und Unterstützung zur langfristigen Ernährungssicherung sowie landwirtschaftliche Ressourcen oder Unterstützung für Kleinunternehmen an die Familien der Patenkinder verteilt. Darüber hinaus werden die Kinder in ihren Familien nach Möglichkeit persönlich von unseren Mitarbeitenden aufgesucht, um sicherzustellen, dass ihr Schutz gewährleistet ist und das psychische Wohlergehen und die Hoffnung der Familie aufrechterhalten werden.

Haiti : Ein Junge schaut in die Kamera. Er trägt ein weisses T-Shirt mit der Aufschrift „Team Victory“.

Wie kann man die Kinder in Haiti unterstützen?

Edouard Lassegue, Leiter von Compassion International für Lateinamerika und die Karibik, bittet um Gebet für den Schutz von Kindern, Familien, Freiwilligen und Mitarbeitenden von Kinderzentren, die von Gewalt betroffen sind. Bitte bete auch für die Sicherheit der Kirchen, um Mut für die Pastorinnen und Pastoren, für ein Ende der Gewalt und einen Ausweg aus dieser Krise.

Compassion hat Nothilfe in Höhe von mehreren Millionen Schweizer Franken bereitgestellt, um die Unterstützung zu verstärken. Die Inflation und der Mangel an Nahrungsmitteln erforderten ein schnelles Eingreifen. Du kannst dich an der Seite unserer Partner vor Ort engagieren, um sicherzustellen, dass die dringendsten Bedürfnisse der Kinder und Familien gestillt werden können.

Die wichtigsten Daten aus Haiti

Das Erdbeben der Stärke 7,0 legt grosse Teile von Port-au-Prince in Schutt und Asche, tötet über 200‘000 Menschen und macht Hunderttausende obdachlos. Anschliessend sterben 10’000 Menschen bei einer der schlimmsten Cholera-Epidemieen in der modernen Geschichte. In dem herrschenden Chaos werden Dutzende von Banden aktiv.

Der heftigste Sturm in Haiti seit Jahrzehnten macht 200‘000 Familien obdachlos, zerstört die angebauten Felder kurz vor der Ernte und verschlimmert die Cholera-Epidemie.

Während COVID-19 Einkommensverluste und Ernährungsunsicherheit verursacht, wird Präsident Jovenel Moïse erschossen, nachdem er dafür kritisiert wurde, dass er nach Ablauf seiner Amtszeit weiter an der Macht blieb.

Vor seiner Ermordung hatte Moses Ariel Henry zum Premierminister ernannt. Dieser war aber noch nicht vereidigt worden. Er beginnt seinen Dienst als nicht gewählter Führer. Die Bandengewalt eskaliert.

Ein Erdbeben der Stärke 7,2 erschüttert am 14. August 2021 den Südwesten Haitis. Es fordert mehr als 2‘200 Tote und 12‘300 Verletzte und beschädigt grosse Teile der Infrastruktur.

 

Die Regierung streicht die anstehenden Wahlen und begründet dies mit der Gewalt der Banden. Haiti steht ohne einen gewählten Regierungschef da.

Die Gewalt eskaliert, während die Banden versuchen, Ariel Henry zu stürzen. Sie greifen die Polizei an und versuchen, den wichtigsten internationalen Flughafen des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen.

Unterdessen ist Premierminister Ariel Henry nach einer Reise nach Kenia ausserhalb Haitis gestrandet. Henry kündigt an, dass er die Macht abgeben wird, sobald ein Übergangsrat und eine vorübergehende Stellvertretung ernannt worden sind.

Dein Patenkind

Falls du eine Patenschaft für ein Kind in Haiti übernommen hast, werden wir dich persönlich kontaktieren, sobald wir relevante Informationen über das Kind haben. Compassion verfolgt die Situation genau, und dank deiner Unterstützung sind unsere lokalen Partnerkirchen in der Lage, präsent zu sein und auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen einzugehen. Deine nachhaltige Unterstützung durch Patenschaften ist wichtiger denn je. Herzlichen Dank!

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Deine Spende an Compassion ist in der Schweiz steuerabzugsberechtigt.