Keyhole-Gärten in Kenia: Wie nachhaltige Landwirtschaft Ernährungssicherheit schafft

Der Garten grünt auch ohne Regen – Juniors Geschichte

Wie kann aus trockener, rissiger Erde ein Ort voller Leben entstehen? In Kiimakiu, einer Region Kenia, scheint genau das zu passieren. Hier verändert eine einfache, aber wirkungsvolle Methode das Leben vieler Familien – sogenannte Keyhole-Gärten. Einer dieser Gärten gehört Junior und seiner Familie. Junior berichtet.

Inhalt

Mein Name ist Junior, ich bin 9 Jahre alt. Ich gehe zur Schule und besuche das lokale Kinderzentrum. In der Schule lernen wir Buchstaben und Zahlen. Aber im Zentrum und in unserem Garten lernen wir etwas noch Grösseres: wie wir Freunde der Erde sein können. Ich möchte dir unseren „Keyhole-Garten“ (deutsch: “Schlüsselloch-Garten”) zeigen und erzählen, wie er alles für meine Familie verändert hat.

Früher war alles anders im Dorf

Früher war das Leben in unserem Dorf anders. Meine Lehrer erzählten oft von Hungersnöten. Hunger fühlt sich an wie ein schwerer Stein im Bauch. Es ist schwer, sich im Unterricht zu konzentrieren, wenn man Hunger hat. Wie viele andere Familien waren auch wir vom Regen abhängig. Wenn er ausblieb, blieben auch unsere Teller leer. Der Boden war hart, und wir dachten, man braucht viel Land und viele teure blaue Säcke mit chemischem Dünger, um etwas anbauen zu können. Doch dann änderte sich etwas.

Der Tag, an dem wir über den Keyhole-Garten lernten

Eines Tages kam meine Mutter Serah von einem Treffen in der Kirche nach Hause. Sie war aufgeregt und glücklich. Dort hatte sie Mercy getroffen, eine Mitarbeiterin, die als „Life Garden Champion“ ausgebildet ist. Sie erzählte meiner Mutter, dass wir kein grosses Land und kein teures Material brauchen, um genug Nahrung zu haben, sondern nur einen Keyhole-Garten.

Ich wusste nicht, was das ist, aber ich half beim Bauen. Wir machten einen kleinen Kreis aus Erde. In der Mitte bauten wir einen Korb aus Zweigen und Draht. Dann schichteten wir Erde darum, fast so hoch wie die Hüfte meiner Mutter. Eine kleine Öffnung blieb, damit wir bis zur Mitte gehen konnten. Von oben sieht es aus wie ein Schlüsselloch.

„Das ist nicht nur ein Garten“, sagte meine Mutter. „Das ist eine Quelle des Lebens.“

Was ist ein Keyhole-Garten?
Der Keyhole-Garten (oder Schlüsselloch-Garten) ist ein kreisförmiger, erhöht angelegter Gemüsegarten, der für trockene Gebiete entwickelt wurde. Dank eines platzierten Kompostkorbs in der Mitte düngt er sich selbst und speichert Feuchtigkeit, wodurch Gemüse das ganze Jahr über mit sehr wenig Wasser angebaut werden kann.

Der Erde helfen, gesund zu werden

In den Korb in der Mitte werfen wir alle Küchenabfälle. Kartoffelschalen, Kohlreste, alles kommt hinein. Früher hätten wir das weggeworfen. Jetzt wird daraus Dünger. Wenn wir Wasser hineingiessen, gelangen die Nährstoffe direkt zu den Pflanzen. So wachsen Spinat, Grünkohl und Amaranth. Mercy nennt das „regenerative Landwirtschaft“. Wir nehmen nicht nur von der Erde, wir geben ihr auch etwas zurück.

Ich liebe es zu sehen, wie sich der Boden verändert. Früher war er trocken und hell. Jetzt ist er dunkel, weich und voller Leben. Würmer und kleine Tiere bewegen sich darin. Es fühlt sich an, als wären wir Ärzte, die der Erde helfen, gesund zu werden.

Auch beim Schutz der Pflanzen haben wir viel gelernt. Früher gab es starke chemische Mittel, die unangenehm rochen. Jetzt machen wir unsere eigenen natürlichen Sprays. Wir verwenden Papaya-Blätter, Knoblauch, Chili und andere Pflanzen. Das hält die Insekten fern, ohne uns zu schaden. Unser Gemüse ist gesund und frei von Chemikalien.

Wasser ist bei uns sehr kostbar. Deshalb ist der Keyhole-Garten besonders hilfreich. Er speichert Feuchtigkeit und braucht nur wenig Wasser. Wir verwenden sogar gebrauchtes Wasser aus der Küche. Mit etwas Asche wird es gereinigt, und dann giessen wir es in den Garten. So geht nichts verloren.

In der Schule lernen wir Buchstaben und Zahlen. Aber im Zentrum und in unserem Garten lernen wir etwas noch Grösseres: wie wir Freunde der Erde sein können."

Kein Regen – doch der Garten grünt

Heute ist unser Leben anders. Wir haben mehr zu essen, aber es geht um mehr als das. Es geht um das Lieblingswort meines Vaters: Würde. Meine Mutter macht sich keine Sorgen mehr darüber, wann wir unsere nächste Mahlzeit bekommen. Oft haben wir sogar mehr Gemüse, als wir brauchen. Dann verkauft sie den Überschuss auf dem Markt. Mit dem Geld kaufen wir Schulmaterialien und Kleidung.

Unsere Nachbarn wundern sich über unseren grünen Garten, obwohl es kaum regnet. Sie fragen meine Mutter nach dem Geheimnis. Sie erklärt ihnen, wie der Garten funktioniert und dass wir gut mit der Natur umgehen müssen. 

Ich bin erst 9 Jahre alt, aber ich fühle mich verantwortlich für unseren Garten und die Umwelt. Wir haben gelernt, wie man genug zu essen hat und gleichzeitig die Erde schützt.

Über das Projekt

In Kenia sind rund 71 Prozent der Bevölkerung auf Regen angewiesen, um ihre Felder zu bewirtschaften. Bleibt der Regen aus, leiden die Ernten und Familien haben oft nicht genug zu essen. Compassion und die Partnerkirchen in Kenia schulen benachteiligte Familien in nachhaltiger Landwirtschaft und darin, wie sie auch bei wenig Regen das ganze Jahr über nährstoffreiche Lebensmittel anbauen können.

Gemeinsam gegen Hunger handeln

Die Ernährungssicherheit ist in vielen Ländern des globalen Südens eine grosse Herausforderung. Viele Familien wissen oft nicht, ob und was sie am nächsten Tag essen werden. Mit deiner Spende für das Lebensmittelhilfeprogramm ermöglichst du die Verteilung von Lebensmittelvorräten an Familien in besonders prekären Situationen sowie Schulungen in nachhaltiger Landwirtschaft.