Gartenbau in Burkina Faso: Wie aus Reifen neues Leben spriesst

Wie aus Autoreifen mitten in der Trockenheit neues Leben spriesst

Razack wuchs in Burkina Faso in Armut auf und träumte schon immer vom eigenen Garten. Dank der Unterstützung seines Kinderzentrums, einer innovativen Gartenbautechnik und mit etwas Erfindergeist verwandelt der 15-Jährige heute Müll in blühende Gärten – und verändert damit auch seine Gemeinschaft.

Gartenbau in Burkina Faso: Wie aus Reifen neues Leben spriesst

Ein schwieriger Anfang für einen geborenen Gärtner

Razack ist das sechste von sieben Kindern. Der Sohn eines Bauarbeiters und einer Hausfrau erinnert sich gut an seine ersten Tage im Kinderzentrum: „Wäre ich nicht im Zentrum angemeldet gewesen, hätte meine Familie nicht das Geld gehabt, damit ich wie meine Freunde mit sechs Jahren zur Schule gehen kann.“

Als im Zentrum eine neue Gartengruppe eröffnet und eine praktische Ausbildung angeboten wurde, meldete er sich sofort an – Pflanzen hatte er schon als Kind geliebt. Sein Ausbilder Athanase erkannte Razacks Talent und Leidenschaft sofort: „Er kümmert sich um die Pflanzen wie Adam im Garten Eden!“

Gartenbau Burkina Faso

Harter Boden erfordert die Suche nach neuen Wegen

Heute, mit 15 Jahren, hat Razack im grünen Garten des Zentrums ein zweites Zuhause gefunden. Zwischen den Reihen von Moringa-Bäumen und Papayapflanzen gedeihen Minze und Petersilie. „Ich liebe Gartenarbeit, aber mein Zuhause ist so klein und ich konnte dort nichts anbauen“, sagt Razack.

Doch selbst im Zentrum war der harte Boden nach vier Jahren unermüdlichen Bewässerns kaum produktiv. Viele Jugendliche gaben auf. Deshalb suchten Athanase und seine Schüler nach neuen Methoden, mit denen sie ihre Ernteerträge um das 10-, 30- und 100-Fache steigern könnten. Über eine Partnerschaft mit einer Agrar-Organisation erlernten Razack und seine Freunde die Technik des Reifen-Anbaus. Razack spielte eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der neuen Methode – unter Verwendung alter Autoreifen.

„Ich habe gelernt, dass es im Leben keinen Abfall gibt. Dinge, die nutzlos erscheinen, wie ein alter Reifen, können zu einem Baum des Lebens werden“

Mit Abfall die Ernteerträge steigern

Zusammen mit seinen Freunden durchsucht Razack die Mülldeponie der Gemeinde nach alten Auto- und LKW-Reifen. „Ich wusste am Anfang nicht, wie man in Reifen anpflanzt, aber heute bin ich erstaunt zu sehen, dass ein Garten mit Altreifen auf kleinem Raum mehr Ertrag bringt. Am wichtigsten ist, dass diese Art des Gartenbaus hilft, Abfall wiederzuverwenden und unser Land sauberer zu halten“, erklärt Razack.

Er legt den Reifen flach hin, schneidet die Oberseite ab, deckt den Boden mit alten Jutesäcken ab und füllt ihn mit trockenen Blättern, Erde und Holzspänen. Dieses organische Gemisch lässt die Pflanzen schneller wachsen und spart Wasser. „Ich habe gelernt, dass es im Leben keinen Abfall gibt. Dinge, die nutzlos erscheinen, wie ein alter Reifen, können zu einem Baum des Lebens werden“, sagt er. Sein Traum ist ein eigener Bio-Garten, um die Umwelt zu schützen und zum Wohle seiner Gemeinschaft. Durch die Gartenarbeit möchte er auch seinen Lebensunterhalt verdienen und seine Familie versorgen.

Gartenbau Burkina Faso

Eine Bewegung zur Bewahrung der Schöpfung

In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, werden täglich Tausende Tonnen Abfall entsorgt, während Dürren und Überschwemmungen die Ernten bedrohen.

 Razack zeigt, wie man diesen Herausforderungen begegnen könnte. Kürzlich verkaufte er mehr als 10 Reifen mit Kräutersetzlingen auf dem Markt und erwirtschaftete so seinen ersten Gewinn.

Das Beste daran ist, dass die Begeisterung für diese neue Anbaumethode immer mehr Menschen erfasst. Jugendliche aus vielen anderen Zentren und Städten Burkina Fasos besuchen Razacks Garten, um die Methode in ihren Heimatdörfern zu übernehmen. Überall im Land nutzen Kirchen nun lokale Ressourcen, um nachhaltige Lösungen im Gartenbau zu schaffen und gleichzeitig ihre Umwelt zu schützen. 

Blickt man heute irgendwo in Burkina Faso unter das schattige Blätterdach eines prächtig gewachsenen Papayabaums, entdeckt man vielleicht einen jungen Menschen wie Razack. Mit Schweiss auf der Stirn, einem Lächeln im Gesicht und der festen Überzeugung, dass aus winzigen Samen, etwas Mut und erhaltenen Chancen eine ganz neue Zukunft erwachsen kann.

Berufsausbildung fördern und Chancen schenken

Nach der obligatorischen Schule stehen Tausende Jugendliche in Burkina Faso vor dem Nichts – denn ein Berufsbildungssystem wie in der Schweiz gibt es nicht. Ohne Ausbildung bleibt oft nur die harte Realität prekärer Gelegenheitsjobs. Erfahre, wie Compassion gemeinsam mit den Kirchen vor Ort Perspektiven schafft und Jugendarbeitslosigkeit nachhaltig bekämpft.