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Monni

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    Land: Bangladesch
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    Alter: 7
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    Geschlecht : Mädchen
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Reise nach Thailand

17. Januar 2017

"Nach drei Stunden Reise durch die Berge in Nordthailand kamen wir im Kinderzentrum Mae Ming an. Vor einem wundervollen Früchteteller erklärte uns der Pfarrer, wie das Zentrum funktioniert. Plötzlich sass Pitchaya, mein Patenkind, neben mir. Ich hatte sie gar nicht kommen hören.

Mir stiegen die Tränen in die Augen, als ich sie nach vier Jahren Patenschaft und vielen Briefen endlich vor mir hatte. Pitchaya sprach Thai, doch jemand von Compassion übersetzte mir alles auf Englisch. Ich machte Pitchaya ein Kompliment für ihre wunderbare Thaischrift, was sie sehr stolz machte. Ich konnte auch alle Dokumente über Pitchaya einsehen. Von Arztbesuchen bis zur Entwicklung ihres Sozialverhaltens wird alles dokumentiert. In der Akte fand ich zu meiner Überraschung sogar ein Foto von mir und meiner Enkelin, das ich mal geschickt hatte. 

Später verliessen wir das Zentrum und gingen zum Mittagessen zu Pitchaya nach Hause. Sie wohnt in einem kleinen Bambushaus, das auf hohe Pfähle gebaut ist. Ihre ganze Familie hatte sich für meinen Empfang in traditioneller Festkleidung herausgeputzt: die Mutter mit dem einjährigen Baby, die ältere Schwester mit ihren zwei Kindern und der Vater von Pitchaya waren da. Der Vater hatte sich am Vortag am Knie verletzt. Er wollte aber an diesem Tag nicht zum Arzt, weil er Angst hatte, uns zu verpassen. Das war so rührend!

Zum Mittagessen sassen wir im Kreis auf Matten am Boden. Es gab Reis, Gemüse und Poulet – eines jener mageren Hühnchen, die ich im ganzen Dorf hatte herumrennen sehen. Es war sehr fein. Durch Fragen, Übersetzungen und Antworten habe ich diese Familie etwas besser kennen gelernt und auch gehört, mit was für Schwierigkeiten sie kämpfen. Durch Gottes Hilfe, den Schulbesuch, ihren Mut und meine kleine Unterstützung wird Pitchaya es einmal einfacher haben als ihre Eltern und kann ihren Traum verfolgen, Mathematik- und Thai-Lehrerin zu werden.

Im Kinderprojekt habe ich gesehen, wie Compassion arbeitet. Im Grunde sind fast alle Mitarbeitenden selber ehemalige Compassion-Kinder, die sich nun in ihrer Gesellschaft engagieren, um ihren Nächsten zu dienen und das Evangelium weiterzugeben. 

Um unsere Reisebegleiterin war ich sehr froh. Sie half uns auch mit den kulturellen Unsicherheiten: Darf ich dem Papa zur Verabschiedung die Hand schütteln? Wann ist ein guter Moment, um die Geschenke zu übergeben? Sind die Geschenke überhaupt angebracht? Bei all diesen Fragen konnte sie uns weiterhelfen.

Wir haben dann mit Pitchaya und den Frauen vom Zentrum noch einen Spaziergang durch die Reisfelder gemacht. Die Landschaft war sehr eindrücklich. Pitchaya wich nicht von meiner Seite. Sie führte mich an der Hand über schwierige Stellen und hielt mir den Regenschirm auf, um mich vor der Sonne zu schützen. Ich war so berührt. 

Wir kamen dann zum Zentrum zurück, wo uns eine schöne Fruchtplatte erwartete. Pitchaya stürzte sich drauf, und wir hatten viel zu lachen. Die Kleine ist eine Feinschmeckerin, genau wie ihre Patin! Auf der Wand im Projekt hing ein grosses Poster über die Schweiz. Ich konnte Pitchaya Genf zeigen, wo ich wohne. Ich erklärte ihr, dass wir keine Tiger in unseren Bergen haben. Wir sprachen von den Unterschieden zwischen Bangkok und der Schweiz. Ich war nämlich erstaunt, wie grün Bangkok ist! Die Trottoirs sind voller Topfpflanzen, überall gibt es kleine Gärten und Teiche, was der Millionenstadt eine sehr schöne Atmosphäre gibt. Dagegen sind die Trottoirs in der Schweiz einfach grau.

Wir leben wirklich in sehr unterschiedlichen Welten, aber dank diesem Abenteuer mit Compassion haben sich diese Welten berührt, und wir konnten mit Pitchaya ein Band knüpfen, das so leicht nicht kaputt gehen wird – denn ein Seil aus drei Schnüren reisst nicht. Gott sei Dank dafür!

Patricia Maurer, 13. September 2014